The Pug & Me

The Pug & Me

Sonntag, 25. Januar 2015

Die Verstummung der "Couch-Society"



Inzwischen habt ihr ja erfahren, dass ich verrückt bin. Ich mag keine Clubs, habe praktisch an jedem Salat was auszusetzen, bilde mir Krankheiten ein, bin pizzasüchtig und habe ein extrem angespanntes Verhältnis zu Nagellack. Kurzum, mit mir ist nicht gut Kirschen essen. Wer sich an dieser Stelle denkt: "hey, da schau ich drüber hinweg, ansonsten ist die Alte doch ganz okay", dem sei gesagt, dass er meine schlimmste Klatsche noch nicht kennt. Die Fernseh- und Filmklatsche.
Angefangen hat alles mit meiner eigenen Wohnung und dem somit erworbenen Alleinanspruch auf die Fernbedienungsherrschaft. Endlich kann ich als Monarch Gewalt über das Fernsehprogramm-Königreich ausüben.
Jeden Montag entscheide ich mich für die Geissens. Das geht dummerweise nur bis 21:15, weshalb ich danach immer auf den Sixx Mädelsabend umsteige. Nach Circus Halligalli wartet das Bett. Dienstag, „Das perfekte Dinner“. Mittwochs zur Zeit „Der Bachelor“, RTL ich danke dir.
Der Donnerstag ist im Moment ein echtes Problemkind. Da kommt einfach nichts erträgliches im TV. Und mit nichts meine ich nichts.

Diesen Donnerstag haben mein Freund und ich dann entschieden uns einen Film bei Amazon Prime zu gönnen. (Nein, ich würde niemals illegal online streamen, halte die Paranoia nicht aus erwischt zu werden). Es war schrecklich. Er wollte was mit Action und Gemetzel. Ich etwas mit Liebe und Happy End. Ich fragte ihn, ob er mal auf die Uhr geschaut hatte. Er: "Warum?"
Weil es draußen schon dunkel ist, da schaue ich mir Filme ab FSK 12 nicht mehr an. Insgesamt habe ich da ganz strenge Prinzipien. Wenn ich einen Film schaue muss dieser gewisse Kriterien erfüllen. Kein Blut, keine negativen Vibes, keine schlimmen Wörter und keine psychisch angeschlagenen Darsteller.
Die größte Spannung muss die Liebe zwischen Protagonist und Protagonistin darstellen. Ich sterbe immer fast, wenn die sich zehn Minuten vor Filmende entscheiden, wegen irgendeiner Banalität doch nicht glücklich zusammen in den Regenbogen zu reiten. Da kaue ich mir die Fingernägel runter, so dass diese jeglichen Glamour verlieren und das, obwohl ich eigentlich weiß, dass sie zusammen finden. Bei Actionfilmen würde ich mir vermutlich die Finger abbeißen. Nein danke, ich verzichte. 
Mein Freund und ich kamen an diesem Abend nicht auf einen Nenner. Wir haben beide nebeneinander Youtube-Videos auf unseren Handys geschaut und uns gegenseitig über die Lautstärke des anderen geärgert. Um 22:15 kam dann endlich Dschungelcamp und für fünf Minuten, während der Dschungelprüfung, waren wir auf einem Nenner. 
Eine weitere Leidenschaft meiner selbst sind Serien. Okay, eigentlich nur eine Serie. Gossip Girl. Klar, habe ich auch Breaking Bad, Girls, How I Met Your Mother und Devious Maids geschaut, aber keine Serie zieht mich so in den Bann wie Letztgenannte über die Upper East Side. Ich kenne die Serie auswendig, bin der krasseste Groupie von Chuck Bass und schaue jeden Tag eine Folge vor dem Einschlafen. Ich finde das okay, schließlich darf man Lieblingshosen und T-Shirts auch mehrmals tragen. Warum dann nicht auch Gossip Girl, meine Lieblingsserie 20 Mal anschauen? Ist das Gleiche oder?
Natürlich habe ich auch einen Lieblingsfilm: Stolz und Vorurteil. 120 Mal gesehen. Ich kann am Schluss immer noch weinen wie ein Baby. Mein Freund weigert sich diesen Film zu gucken. "Mädchenscheiß".
Ihr seht, unsere Geschmäcker sind so verschieden wie Vegetarier und Fleischesser. 
Aber ich bin ja nicht dumm. Wenn ich eins von den Filmen gelernt habe, dann wie Romantik funktioniert.
Man nehme ein MacBook und ein iPad, zwei Amazon Prime Accounts, zwei Filme nach jedermanns Geschmack und zwei paar Kopfhörer. Dem gemeinsamen Filmabend steht nun nichts mehr im Wege. Man kann nebeneinander auf der Couch sitzen, die Händchen vereint in der Popcornschüssel, ein jeder bei dem Film seiner Wahl und genießt doch die Vorzüge einer Gesellschaft ohne vom Lärm und Grusel des Anderen belästigt zu werden. Denn wie sagt schon Friedrich der Große: "Jeder soll nach seiner Fa­çon glücklich werden."


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen